Klostermarkt am Festwochenende

Über Jahrhunderte waren Burg, Kirche und Kloster Heiligenberg nicht nur das spirituelle Zentrum der Region. Heute sind nur noch die Wallanlagen zu sehen – aber am Festwochenende im Juli soll das Leben und Arbeiten rund um das Kloster revitalisiert werden.

Auf eine Zeitreise der besonderen Art laden die Fogelvreien Marktleute ein und geben mit Handwerk und Handel, Musik und Theater Einblicke in das hohe und späte Mittelalter – die Blütezeit des Klosters am Heiligenberg.

Am Fuße des Klosters finden sich Handwerker und Hökerer zu einem Markttreiben ein, wie es an kirchlichen Feiertagen in den Städten Sitte und Brauch war. Garbräter bereiten leckere Speisen, und aus der Klosterbrauerei wird fein süffig Bier verzapft. Auch Spielleute sind dem Ruf des Abtes gefolgt, um am Markttag ihre Künste darzubieten und den Taler aus den Taschen der Gäste zu locken. Auch fromme Pilger sind auf dem Weg nach Santiago de Compostela auf der Durchreise und nehmen gerne die Rast und feiern mit.

Die Idee der Inszenierung ist die Darstellung von klösterlichem Leben auf dem Heiligenberg und dörflichem Festtreiben mit Markt und Unterhaltung am Fuße des Klosters.

Fast zwei Dutzend Marktstände gehen einem gottgefällig und untadelhaftem Schaffen nach und lassen sich bei der Arbeit über die Schulter sehen: Schmiede, Filzerei, Knochenschnitzer, Amulettemacher, Lederer und Silberschmiede zeigen ihre Künste; Stundenkerzen für die Messe werden bei den Lichterziehern gefertigt, die Gewürzkrämer bieten Weihrauch und Spezereien aus Orient und Okzident, der Weinhändler bietet Fruchtweine von den Früchten des Klosters und Bäcker und Knoblauchbräter, Fleischhauer und Fladenbäcker sorgen dafür, dass niemand der Hunger zwicke.

Von den Grafen zu Hoya wurde des Grafen Waffenmeister Ritter Kay zum Marktvogt ernannt, um für Recht und Ordnung und die Einhaltung der Marktordo zu sorgen. Hier könnt Ihr Euch belehren lassen und auch selbst Hand anlegen im Umgang mit Schwert und Schild – und am Ende müsst Ihr Euch entscheiden, ob Ihr das Kreuz oder das Schwert nehmt.

Der Klosterabt trägt Sorge, dass nicht zu derb gefeiert wird und verlässt bisweilen die Stille des Klosters. Auf dem Markt wird er des Öfteren seine Stimme von der Bühne erheben, jedoch auch die Gäste einladen, mit ihm das Kloster zu erkunden und zu beschauen.

Über den Weg vom Markt zum Kloster können jene, die des Lesens mächtig, viel über die Geschichte des Klosters erfahren. Denn wurde hier im Scriptorium auf großer Leinwand aufbereitet, was sich dereinst zugetragen hat – ein Lehrpfad durch die Geschichte.

Der Waldspielplatz lädt die Kinder zum Spielen ein, bei mittelalterlichen Geschicklichkeitsspielen können sie Mut, Kraft und Ausdauer erproben, beim Scriptorium das Schreiben mit Feder und Tinte erproben und bei der Seilerei ein Springseil drehen.

Beim Klosterbarbier habt Ihr die Möglichkeit, Euch zum Jubiläum die Tonsur scheren zu lassen, oder Ihr lasst Euch für den Tag des Herrn über den Löffel balbieren.

Am Sonntag werfen große Augenblicke ihre Schatten voraus – der Graf von Hoya Otto III. hält Einzug mit Gefolge. Als Schutzvögte sind die Grafen schon seit langem mit dem Kloster Heiligenberg verbunden, und mitgebracht haben sie die neuesten Tänze vom gräflichen Schloss, die sie dem staunenden Volk vorstellen werden.